Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
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Gehaltvorstellung ermitteln


Finanzierung entlang der Wertsch√∂pfungskette f√ľr √∂kologische Lebensmittel

Die finanziellen Vorstellungen √ľber die Entlohnung k√∂nnen bereits bei der schriftlichen Bewerbung eine Rolle spielen. Aber sp√§testens beim Bewerbungsgespr√§ch solltest Du eine Vorstellung davon haben, was das branchen√ľbliche Gehalt f√ľr die Qualifikation dieser Stelle ist. Doch wie findet man das heraus? Hier gibt es eine Schritt f√ľr Schritt Anleitung, um eine Gehaltsvorstellung zu entwickeln.


1. √úberblick verschaffen


Einen ersten Hinweis auf die zu erwartende Gehaltsspanne liefert die Webseite GEHALT.de. Hier können Berufsbezeichnung und Ort bzw. Bundesland angegeben werden und die Seite ermittelt das potenzielle Gehalt. Die Informationen zieht die Seite aus den geschalteten Stellenanzeigen. Deshalb ist die angegebene Gehaltsspanne auch sehr groß.


2. Vergleichen


Einen guten Vergleich bieten die Tarife des √∂ffentlichen Dienstes. Die festgelegten Entgeltgruppen richten sich nach den auszu√ľbenden T√§tigkeiten. Diese sind an die Qualifikation gebunden und gliedern sich wie folgt:


E 1 bis E 4
E 5 bis E 8
E 9 bis E 12
E 13 bis E 15

An- und Ungelernte
mindestens 3-jährige Ausbildung (Lehre)
Fachhochschulstudium oder Bachelor
‚Äč‚Äč‚Äč‚Äč‚Äč‚Äč‚Äčwissenschaftliches Hochschulstudium oder Master


Die Tarife unterscheiden sich noch einmal geringf√ľgig, je nach dem ob der Bund, Kommune oder Land Arbeitgeber*in ist. Nachrechnen lassen kann man das beim Tarifrechner des √∂ffentlichen Dienstes.


3. Anpassen


Die wichtigste Anforderung an Dein Gehalt ist nat√ľrlich, dass Du davon leben kannst. Versuche Dir einen √úberblick √ľber Ihre Fixkosten und variablen Kosten zu verschaffen: Miete, Strom, Versicherungen, Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel, Freizeit etc. Auch Zahlungen, die nicht monatlich anfallen, sondern z.B. j√§hrlich (z.B. Kontogeb√ľhren, Versicherungen, Mitgliedsbeitr√§ge). Das sollte das Nettogehalt mindestens abdecken. Die Mietkosten inkl. Nebenkosten sollten dabei ca. 1/3 des Nettobetrages nicht √ľberschreiten. Beachte bei der Anpassung auch die Branche und die Region.

Exkurs Brutto-Netto: Der Nettobetrag ergibt sich aus dem Bruttogehalt abz√ľglich Steuern und Sozialabgaben. Die sind abh√§ngig von der Steuerklasse, evtl. Kindern und evtl. Religionszugeh√∂rigkeit. In sozialversicherungspflichtigen Angestelltenverh√§ltnissen werden Beitr√§ge zur Krankenkasse und Rentenversicherung etc. automatisch vom Bruttogehalt abgezogen. 


4. Dein Wert


Du hast Geld und Zeit in Dich und Deine Ausbildung investiert. Das sollte belohnt werden! Welche Qualifikationen hast du? Welche Weiterbildungen, Scheine, Erfahrungen und Netzwerke bringst Du mit? All das steigert Deinen Wert.


5. Extra-Tipp: Ersatzleistungen


Nicht alle Unternehmen k√∂nnen mehr Geld zahlen, auch wenn sie es gerne m√∂chten. Frag nach anderen Leistungen. Vielleicht gibt es eine Monatskarte f√ľr den √ĖPNV, die M√∂glichkeit von zu Hause zu arbeiten, Mitarbeitendenrabatt oder Zusch√ľsse zu Sportkursen, verm√∂genswirksamen Leistungen oder der Kinderbetreuung. Sei kreativ!


Angabe in den Bewerbungsunterlagen


Die Gehaltsvorstellung ist fertig, nun soll das in die Bewerbung. Aber wie? Wichtig! Die Gehaltsangabe sollte nur ins Anschreiben, wenn in der Ausschreibung danach gefragt wird. Ein guter Platz ist im letzten Abschnitt vor der Schlussformulierung. Ob als konkreter Wert oder als (kleine) Gehaltsspanne ist egal, aber die Angabe "brutto als Jahresgehalt f√ľr einen Vollzeitjob" sollte dazu. So werden Missverst√§ndnisse ausgeschlossen. Eine sachliche Formulierung wie "Meine Gehaltsvorstellung liegt bei 45.000‚ā¨ brutto Jahresgehalt f√ľr eine Vollzeitstelle." ist eine sichere Variante.

Sollte das Thema im Bewerbungsgespräch aufkommen, erinner Dich an Deine Recherche, argumentiere mit Deinen Qualifikationen.


Exkurs: Gehalt im Praktikum


Seit dem 01.07.2021 gilt in Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn in Höhe von 9,60 Euro. Auch Praktikant*innen fallen unter die Mindestlohnregelung - zumindest unter bestimmten Bedingungen:

Das freiwillige Praktikum dauert länger als 3 Monate

Der Mindestlohn wird nur dann f√§llig, wenn das Praktikum l√§nger als drei Monate dauert (ausgenommen Pflichtpraktika). Damit wird ber√ľcksichtigt, dass ein*e Praktikant*in i.d.R. nicht sofort einen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens leistet. Zuerst ist eine Einarbeitung n√∂tig, die das Unternehmen Zeit und Geld kostet. "Kurz-Praktika" w√§ren f√ľr die Betriebe sonst deutlich zu teuer. Wenn das Praktikum l√§nger als 3 Monate dauert, wird der Mindestlohn bereits ab dem 1. Tag f√§llig.

Kein Mindestlohn im Pflichtpraktikum

Handelt es sich um ein Pflichtpraktikum, das von der Hochschule vorgeschrieben ist, haben die Praktikant*innen keinen Anspruch auf den Mindestlohn. Wenn dem so w√§re, w√ľrde es vermutlich sehr viel weniger Organisationen geben, die isch Praktikant*innen leisten k√∂nnen. Und Du h√§ttest keine Chance auf einen Platz.

Der Mindestlohn ist √ľbrigens zwingend: Praktikant*innen und andere Arbeitnehmer*innen k√∂nnen nicht auf den Mindestlohn verzichten und sich freiwillig mit einer geringeren Verg√ľtung zufrieden geben.


Exkurs: Nebenjob im Studium


Dem Thema Nebenjob im Studium und die dazugehörigen Gehaltsgrenzen widmet der Career Service eine eigene Unterseite.